Danke, Keng!

Lieber  Leser,

lange habe ich nachgedacht wie ich diesen Artikel betiteln soll. Dabei war die Lösung doch so einfach. Keng ist schuld, also danke ich ihm. Ok, damit mache ich es mir etwas einfach, aber definitiv haben Keng und im speziellen der verlinkte Artikel mich immer wieder motiviert und tun dies heute noch. Aber wovon rede ich überhaupt?

Fangen wir mal ganz weit vorne an. Wie die meisten wissen dürften, gehöre ich seit meinem geschätzten 15. Lebensjahr nicht zu den schlankesten unter den Erdenbewohnern. Einen Grund, daran etwas zu ändern, habe ich eigentlich nie gesehen. Ja, ich gehörte tatsächlich zu den Leuten, die sich eingeredet haben, dass sie sich wohlfühlen in ihrer Haut.

Doch dann kam der April 2011. Ja, es gibt noch einen zweiten Faktor, den ich in dieser Geschichte nicht unerwähnt lassen darf. Keng war definitiv Anreiz, Vorbild und Motivator, aber es gab auch den oft zitierten Auslöser: In ebenjenem April 2011 war ich im italienischen Gardaland, einem Freizeitpark, welcher zur Merlin Entertainments Group gehört, meinem Brötchengeber. Die neu erbaute und kurz vor meinem Besuch eröffnete Achterbahn Raptor wollte getestet werden. Die Weltpremiere des B&M Wingcoasters sah schon von weitem beeindruckend aus. Ich freute mich riesig auf eine Fahrt und darauf zu den ersten zu gehören, die jemals in diese Bahn einsteigen.

Tja, ich hatte erst in der Station gemerkt, dass B&M hier nicht seine Standard-Sitze, die mir von beispielsweise der Krake bestens vertraut waren und in die ich erfahrungsgemäß (gerade noch so) reinpasste, verbaut hatte. Die Sitze waren ebenfalls eine Weltneuheit. Man mag es sich nun vielleicht denken, aber ich sage es hier gerne nochmal: Ich konnte nicht mitfahren. Ich habe mit meinem fetten Arsch nicht in den Sitz gepasst, der Bügel ging nicht zu. Nicht einmal ansatzweise. Mit einem feundlichen “No!” bat man mich wieder auszusteigen. Da stand ich nun im sonnigen Italien mit meinem Übergewicht und dachte nach… Ich beschloss etwas zu ändern! Abnehmen!

Ich gebe zu, dass es danach noch ungefähr anderthalb Monate dauerte, bis ich den ersten Schritt tat und mich im Internet über Fitness-Studios in meiner Umgebung informierte. Da keines der von mir auserwählten Etablissments auf seiner Website Preise angab, schrieb ich schüchterne E-Mails mit der Bitte um Zusendung einer Preisliste… Und ich war zunächst auch gar nicht so böse, dass ich keine Antwort  bekam (und auch bis heute noch nicht erhalten habe). Frei nach dem Motto “Ich hab’s ja versucht!”.

Ich musste meinen inneren Schweinehund überwinden, soviel stand fest. Immer wieder dachte ich an den Moment in Italien als ich aus der Achterbahn wieder aussteigen musste. Demütigend, erniedrigend, traurig…  Aber irgendwie hat das noch nicht ganz gereicht, ich brauchte mehr Druck. Und wenigstens den konnte ich mir selber machen. Ich erzählte also Gott und der Welt, dass ich gedenke abzunehmen und dies mit Hilfe der Anmeldung in einem Fitness-Studio. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man sich damit selber unter Zugzwang setzt und so. Und das was aus meinen anderthalb Semestern Psychologie Studium hängengeblieben ist bestärkte mich darin. Und siehe da: Es funktionierte. Eine dieser als “Gott und die Welt” zusammengefasster Personen war meine liebe Kollegin Alex, von der ich wusste, dass sie regelmäßig ein Fitness-Studio besucht. Ich bat sie dort mal ein Probetraining für mich klarzumachen. Und dann ging alles erstaunlich schnell. Bereits eine Woche später stand ich in den sportlichsten Klamotten, die ich besaß (ein Fußballtrikot des niederländischen Erstligisten NAC Breda und eine kurze Stoffhose, dazu ausgelatschte VANS Skaterschuhe) vor meiner Trainerin Ilona.

Ich habe mich so unfassbar unwohl gefühlt. Ich, der Fette in einem Fitness-Studio zwischen den ganzen Bodybuildern. Aber: Ich brauchte nur wenige Minuten bis ich mich von dem Gedanken verabschieden konnte, dass jeder, der mich hier sieht, mich innerlich auslacht. Ilona war nett, die anderen Trainierenden waren nett und die ganze Atmosphäre hat mir erstaunlich gut gefallen.

Seit diesen ersten Tagen ist viel passiert. In den ersten zwei Monaten versicherte mir meine Waage, dass ich die ersten Pfunde bereits abgenommen habe. Ein Blick in den Spiegel sagte mir da allerdings anderes. Sprich: Ich habe keine Veränderung feststellen können. Dazu kam, dass ich an meinen Essgewohnheiten (Gerne mal ein halbes Schwein auf Toast als Betthupferl! Nur Süßkram zum Trinken) rein gar nichts geändert hatte. Ich dachte mir, dass ich ja jetzt Sport mache und dann ja ruhig weiter fressen kann wie ein Loch. Denn Sport + Fressen wie ein Loch ist immernoch besser als kein Sport + Fressen wie ein Loch… Dachte ich. Im Prinzip war es das natürlich auch, aber auch hier wollte ich natürlich was ändern.

Eine weitere Kollegin, die nun erwähnt werden muss, ist Katja. Die hatte nämlich deutlich sichtbar abgenommen und laut eigener von mir neugierig erfragter Info dies gänzlich ohne Sport geschafft. Nun, da ich auf den Sport, der mir mittlerweile echt Spaß machte, natürlich nicht wieder verzichten wollte, beschloss ich es Katja gleichzutun und ihre Ernährungsmethode (Nein, es ist  keine Diät!) nachzuahmen. Es ist eigentlich schnell erklärt: Keine Kohlenhydrate nach 13 Uhr. Das klang zunächst einmal hart, aber um ehrlich zu sein konnte ich mir anfangs da gar nicht so furchtbar viel drunter vorstellen. Also musste ich lernen, was Kohlenhydrate sind und wo die überall drin vorkommen. Und natürlich auch worin nicht. Ich möchte nun nicht behaupten, dass ich ein Ernährungsexperte geworden bin, aber allein die Tatsache, dass ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, ließ mich ein unterschwelliges Bewusstsein für Ernährung entwickeln. Und was soll ich sagen? Es funktionierte. Und tut es immer noch.

Ich kann an dieser Stelle nur  betonen: Ich esse nicht weniger als vorher. Einfach anders. Beim oben erwähnten halben Schwein auf Toast lasse ich das Toast einfach weg.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Jetzt, zirka acht Monate später habe ich 22 Kilo abgenommen, Muskeln dazugewonnen, besitze so etwas wie Kondition, habe Spaß am Sport und fühle mich in meiner Haut einfach so wundervoll wohl. Natürlich bin ich immernoch nicht schlank. Und das werde ich vielleicht auch nie sein. Aber ich arbeite weiter auf mein Ziel hin, insgesamt 35 Kilo abzunehmen. Es läuft gut, ich fühle mich pudelwohl und verzichte nicht wirklich auf etwas. (Ok, auf Kohlenhydrate, aber vermissen tu ich die wirklich nicht, zumal ich ja vor 13 Uhr auch hier zulangen darf.)

Mittlerweile beginne ich selber den Fortschritt zu sehen, wenn ich in den Spiegel schaue. Ein geiles Gefühl. Hosen, in die ich seit Jahren schon nicht mehr reingepasst habe, passen wieder wie angegossen. Ja, ich habe sie alle aufgehoben. Immer in der Hoffnung irgendwann wieder reinzupassen. Mein bisheriges Highlight war definitiv eine Shopping-Tour zu Primark in Hannover. Primark, der Laden für Dünne. ICH PASSE IN PRIMARK HOSEN! Das hätte ich niemals für möglich gehalten.

So, jetzt ist es Zeit für Danksagungen:

Als allererstes kann ich meinen eigenen Titel nur zitieren: Danke, Keng! Danke für die Motivation!

Danke, Mama! Ja, du hast mich voll genervt mit deinen ewigen Nachfragen, ob ich mich schon im Fitness-Studio angemeldet habe, aber es war nötig.

Danke, Katja! Danke, dass du mir gezeigt hast, wie geil man sich ohne Kohlenhydrate die Wampe vollschlagen kann.

Danke, Ronny! Du hast es ertragen mit mir am Samstag sämtliche Achterbahnfahrten mit einem “Boah, wie ich hier wieder reinpasse!” zu starten.

Danke, Claudia! Wie sehr ich dein mich nachäffendes “Nein, das darf ich nicht, weil da Kohlenhydrate drin sind!” mag!

Der Weg ist noch nicht zu Ende, ganz und gar nicht, aber ein verdammt guter Anfang ist geschafft und ich empfand diesen jetzigen Zeitpunkt als ideal ihn der Welt mitzuteilen.

Et voilá. Dies ist  hiermit geschehen!

Zum Schluss grüße ich noch meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern!

5 thoughts on “Danke, Keng!

  1. Ich verneige mich vor dem Ehrgeiz, den Schritt bis hierhin gegangen zu sein… und ich bin sicher, dass du auch die weiteren Schritte gehen wirst :-)
    *daumen hoch*

  2. Pingback: The Swarm | BrotBlog

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